Meteoritenkraterhohentwiel

Unpublizierte Funde aus dem Hegau vom Hohentwiel

1. Einführung:
Nordwestlich des Bodensees am Südrand der schwäbischen Alb erstreckt sich die Vulkanprovinz Hegau. Häufigster und mit 14 Millionen Jahren ältester Vulkanit ist der überwiegend als Aschenwolke niedergegangene Deckentuff.
Die Phonolithintrusionen des Hegaus in den Deckentuff (fraktionierter Melilithit) begann vor etwa 8 Millionen Jahren mit dem markantesten aller Hegauberge, dem Hohentwiel.
Sein Phonolithschlot, geochemisch und strukturgeologisch äußerst varieantenreich, misst ca. 400 m im Durchmesser. Die Fläche des Hohentwiels dürfte deutschlandweit die höchste Gesteinsvielfalt besitzen. Fast alle nun folgenden Funde wurden während Baggerarbeiten 1995 sowie um 2000 auf der Domäne, am Fuß des Berges E, sowie am Olgaberg gesichert.
 
2. Neufunde von der Fläche des Hohentwiels

2.1.Unbekannte Gesteine:
– Bimsartiges Gestein mit weißen Schlieren,
– verschiedene Kügelchen aus Glas,
– 168 g grünes, sehr dichtes Glas mit roten Verfärbungen und Hohlräumen.
– grüne Glässer ohne erkennbare Einschlüsse,
– grüner Phonolith mit 1 mm großen Sphärolithen, (aus Würmmoräne der Singener Ebene),
– schwarze, knollig gefrittete Gesteine sowie ein rot aufleuchtendes Geröll,

2.2. Aus dem Deckentuff:
– graue Lapillikerne, welche mit scharfer Grenze in rote Lapilli eingebettet sind,
– einseitige messerscharfe planare Scheibe vom äußersten Ende eines Lapillis,
– mehrfach in planaren Scheiben zerfallener Tonstein?, verfestigt durch dazwischenliegendem Deckentuff,
– Lapilli mit leichtem Glasüberzug,
– aufgeschäumtes, weißes und pulvriges Gestein,   
– verbogener, schwarzer Tonschiefer, verbogener Molassesandstein,
– sechs mögliche, teilweise durch Rückfall-Breccie verdeckte Shatter Cones im Kalkstein,
   darin sind mitunter undeutlich, mehrere spitz zulaufende Dreiecke zu erkennen,
– Shatter Cone im Kalkgestein, dessen Struktur mit plötzlichem Richtungswechsel tief in das Gestein eingeschnitten zu sein scheint und eine leichte konkave Wölbung aufweist,
– eisenhaltiges Gestein mit scharfer Kontaktgrenze zu einem Sinterkalk,
– Beobachtung eines breccierten ca. 30 cm großen, weißen Jura Kalkes,
– Seekalke,

2.3. Phonolithe:-
– Halbkugeliger brauner Phonolith mit primären rötlichen Nephelinen, dieser könnte ohne Rotation in Flugrichtung angerundet worden sein, seine gegenüberliegende Seite zeigt einspringende Klüfte.
– Phonolithe, mit der selben braunen Grundmasse, sind teilweise grün aufgeschmolzen. Dieser partiell grün aufgeschmolzene Bereich führt den gelben Natrolith.
– Sicher anzusprechender, an der längsten Stelle 35 x 17 cm messender konvexer Shatter Cone. Eine zweite, parallel darunterliegende Shatter Cone Fläche ist mit 3 x 10 cm aufgeschlossen. Beide Shatter Cone Flächen überragen teilweise leicht die anschließenden Bruchflächen. Offenbar hat der auf der Shatter Cone Fläche liegende Reaktionssaum deren Oberfläche stabilisiert.
– mehrere Shatter Cones. Z. B. sind in einem Kegelbruchstück sind sehr feine, sonst im Phonolith nicht zu beobachten, sowie mehrere, gleichschenklig hintereinander liegende gröbere Linien zu sehen.
– Planare Bruchfläche in einem 13 g schweren, rotbraunen Phonolith, die Farben liegen nach der Munsell Farbtafel bei: 7,5 R 3/3; 7,5 R 3/4. Die leuchtend, roten Einschlüsse liegen bei 7,5 R 4/8
– Phonolith, welcher in frisch aufgeschlagenen Bruchflächen unbestimmbar dünne tropfengroße Aufschmelzungen zeigt. Eine Untersuchung auf diaplektisches Glas wäre sinnvoll.
– eine gelbe Natrolithader (Typlokalität) kreuzt eine weiße Natrolithader,
– ca. 10 graue phonolithische Gläser mit unterschiedlich großen Sphärolithen, hierbei werden Sphärolithe von Natrolith teilweise umsäumt,
– frisch gefallene Phonolithe mit oberflächlichen Eisenverkrustungen,

2.3.1 Ungewöhnliche Rillenstrukturen
– Ungewöhnliches, 0,7 mm langes Mineral im Phonolith mit 4 oberflächlichen Rillen,
– An einem idiomorphen 3,5 cm langer Sanidin sind neben Kristallflächen ebenfalls tief in das Mineral eingeschnittene Rillen zu beobachten.
– Blasenreiche Phonolithe besitzen mitunter tiefe und spitz zulaufende Furchen.
– Anstehender Phonolith in W zeigt eine Wellenrippel ähnliche Struktur.

2.3.2 Ungewöhnliche Klüftungen
An der NW Wand zeigt der Phonolithstock mit scharfer Grenze unterschiedliche Kluftsysteme (Abkühlungsklüfte über Druckklüfte?).
Zwei Phonolithe werden von haardünnen, planaren Klüften, in einer Anzahl von ungefähr 25 und 10 durchzogen, in beiden Fällen werden die Längsrichtungen der eingeregelten Sanidine, in einem Fall auch das Fluidalgefüge senkrecht durchschnitten. Der rote Phonolith zeigt eine freiliegende Einschluss führende planare Kluftfläche.
Sowohl anstehender Phonolith im NW wie auch phonolithische Lesesteine mitsamt Breccien zeigen tief eingeschnittene, fiederförmig aufspaltende Brüche. Diese Fiederkluftflächen stehen immer in ähnlicher Orientierung zu eingeregelten Sanidinen oder auch in 90 ° zu den planaren Kluftflächen des roten oder grauen Phonolithen.
Dunkle Gesteinssplitter mit ungewöhnlich roter Kruste sind gleichzeitig scharfkantig und verbogen gebrochen.

2.3.3 Harnische
Zu beobachten sind entweder angehauchte, glatte, konvexe, grün aufgeschmolzene Harnischflächen, ebenso grün aufgeschmolzene, jedoch ebene Harnischflächen mit deutlicher Striemung sowie Gletscherschliffe.

3. Unbekannte Kartiereinheiten
Ca. 255 ° streichende Störung, Krater; Kraterwall, ein Luftbild zeigt mögliche Staffelbrüche in der Kraterwand S, Rutschflächen um den gesamten Krater.
In der Kratermitte befinden sich laminare Seesedimente, Moor und Sinterkalk im N Rand.
Mehrfacher ortsfremder Bodenauftrag erfolgte auf dem Acker der Domäne und punktuell am Wiederholdweg im Kraterrand.
 
4. Makroskopische Beobachtungen:
Der Phonolithstock besitzt eine deutliche Eindellung im N und eine weniger deutliche Ausdellung, auch bedingt durch Sprengarbeiten, im S. Sowohl an der Ein- ,wie auch an der Ausdellung findet sich die längste konstanteste sichtbare Hangneigung des Hohentwiels.
Ein abgestürzter Fels im NE zeigt parallele eingeregelte Sanidine in 90 ° zu den Klüften.
Da sich diese Klüfte nicht von denen am häufigsten vorkommenden Abkühlungsklüften unterscheiden, sollten Sanidine an dieser Stelle von der Eindellung in Richtung Ausdellung geflossen sein.
Anstehende Phonolithe können mit grünen oder schwarzen glasartigen Bändern durchzogen sein, im NW sind hellgraue ältere und graue jüngere Phonolithe. Die Altersfolge der Natrolithe ist wie folgt: Zuerst bildete sich weißer Natrolith, später gelber Natrolith (sehr selten rein roter Natrolith), zum Schluß wieder weißer Natrolith. 
Am Olgaberg ist der Deckentuff in Kontaktnähe zum Phonolith am lockersten und gewinnt mit zunehmender Entfernung über 100 m an Festigkeit.
Glaskugeln von 0,3 bis 1 cm Größe sind mehrere 100 m weit geflogen, da sie in der Baugrube des Wasserhochbehälters von Twielfeld in 3-4 m Tiefe gefunden wurden.

Mikroskopische Beobachtungen
– geschockte Quarze, bestätigt von einem Experten.
– planare Brüche in einem Kalifeldspat.

5. Interpretation
Entgegen allen Literaturdarstellungen, in denen die phonolithische Schmelze die Erdoberfläche nicht erreicht haben soll, scheinen dies die Neufunde zu widerlegen. Folgendes könnte sich ereignet haben:
Mit einer kurzen und sehr heftigen Explosion, auch ein Einschlag wäre möglich, ist aus dem gashaltigen Magma das bimsartige Gestein, aus dem bereits kristallisierten Rand die drei Phonolithe mit den planaren Brüchen sowie dem Shatter Cone entstanden. Graue Lapilli hoben ein zweites Mal ab, zeitgleich flossen Sanidine nach S, gelandet sind rote akkretionäre Lapillis mit grauem Kern. Weißes Pulver im Deckentuff wäre als Rückstand von verdampften Kalksteinen zu deuten. Diese Explosion könnte alle neuen Gesteine, angehauchte Harnische, schwarze Phonolithadern, Kartiereinheiten, meteoritenrutschbahnparallele Klüfte, sowie Altersbeziehungen der Natrolithe erklären. 

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